Zugegeben: Man muss schon mindestens ein wenig verrückt sein, um mehrere hundert Euro für eine Taschenlampe auszugeben. Allerdings gibt es von den Taschenlampen-Abhängigen mehr als man zunächst denkt. Sie nennen sich
flashaholics, und ich bin einer von ihnen...

Der Reiz einer besonderen Lampe liegt zunächst in der Helligkeit. Es gibt tatsächlich noch verrücktere als mich, die noch mehr Geld für noch hellere Lampen ausgeben

. Aber der echte Lampenfreak will mehr: Einen sauberen "Beam" ohne Störungen und Ringe, reines weißes Licht (manche bevorzugen auch einen warmen Farbton), eine lange Laufzeit und eine gute Verarbeitungsqualität.
Was die Helligkeit angeht, bilden die sogenannten "Gasentladungslampen", auch HID genannt (High Intensity Discharge), die Königsklasse. Lampen mit Glühfaden arbeiten nicht sehr effizient, obwohl es sehr helle Vertreter dieser Gattung gibt - aufgrund des hohen Stromverbrauchs schliessen sich die Eigenschaften
Helligkeit, Portabilität und
Laufzeit aber gegenseitig aus. Effizienter arbeiten LEDs, Leuchtstoffröhren und eben Gasentladungslampen. Leuchtstoffröhren sind allerdings für Taschenlampen aufgrund der Bauform und der mangelnden Fokussierbarkeit nicht geeignet. Neuere LEDs dagegen arbeiten extrem effizient und haben mittlerweile Helligkeiten erreicht, die fast an kleine Gasentladungslampen heranreichen.
Mit der
Schulzendorf Delta 1 besitze ich bereits seit längerem eine Gasentladungslampe mit 10 Watt Brenner. Da die Gefahr besteht, dass diese bezüglich der Helligkeit in den nächsten zwei Jahren von den Leuchtdioden überholt wird, war es Zeit für eine stärkere Gasentladungslampe. Da kam mir die kürzlich angekündigte 35 Watt Version der Microfire Warrior gerade recht. Da HIDs erst bei höheren Leistungen effizient arbeiten, steigt die Lichtausbeute mit der Brennerleistung überproportional an. Daher ist die 35W Warrior mit 3500 Lumen Lichtstrom sieben mal so hell wie meine Schulzendorf mit 10W (500 Lumen).
Um das Objekt der Begierde möglichst schnell zu erhalten, habe ich direkt nach der Produktankündigung in den USA bestellt (bei
Fenix Store). Knapp zwei Monate später war es dann soweit, und ich konnte meine neue Lampe in Händen halten

. In Deutschland erhält man die Microfire HIDs bei
Powerleds.
Lieferumfang und technische DatenDie Microfire Warrior-III ist in mehreren Ausführungen erhältlich. Ich habe mich für die Version mit aufladbarem Akku entschieden (K3500R), da ansonsten die Batteriekosten bei einer derart starken Lampe zu hoch wären.
Die Warrior-III ist mit 35 Watt der bislang stärkste Vertreter der Warrior-Reihe. Die Lichtleistung liegt bei 3500 Lumen (zum Vergleich: eine etwa gleich große Maglite mit 3 Zellen und Xenon-Lampe bringt es auf 42 Lumen; die hellsten LEDs schaffen derzeit etwa 200 Lumen).
Betrieben wird die Warrior mit einem Li-Ion Akku mit 3 Zellen (11.1V) und 3Ah Kapazität.
Die Warrior wird in zwei Boxen geliefert. Eine enthält die Lampe, in der anderen ist das Zubehör zu finden: das Ladegerät und das Netzteil. Die Box selbst ist relativ schlicht aus beschichtetem Holz oder Pappe mit dunkel gefärbter Styropor-Einlage, erfüllt aber ihren Zweck.
Die neue Warrior in der mitgelieferten Box |
Die Warrior kommt in zwei Teilen: Dem Lampenkopf mit Elektronik, Brenner und Reflektor, sowie dem aufschraubbaren Griff, der den Einschalter und den Akku enthält. Der Akku ist fest in den Griff integriert und wird mitsamt dem Griff ins Ladegerät gestellt. So kann man bei Bedarf mehrere Batteriegriffe bereithalten, und bei leerem Akku einfach den kompletten Griff wechseln.
Griff und Kopf lassen sich trennen |
VerarbeitungZusammengeschraubt ergibt sich dann vom Aussehen her eine mehr oder weniger gewöhnliche Taschenlampe:
Die Warrior-III in ihrer natürlichen Umgebung |
Auffällig sind die integrierten Kühlrippen sowie das recht ordentliche Gewicht und die extrem hohe Verarbeitungsqualität

. Alle Teile sind aus Aluminium gefertigt, und zwar aus extrem dickem Aluminium. Die Oberfläche ist dunkelgrau anodisiert. Die ganze Lampe wirkt, als wäre sie für die Ewigkeit gebaut - so eine robust verarbeitete Taschenlampe habe ich nie zuvor gesehen. Alle Verbindungen sind mit Dichtungsringen versehen, so dass die Lampe gegen Eindringen von Wasser geschützt ist. Über dem Einschalter befindet sich eine Gummikappe - der Schalter selbst ist leichtgängig und fühlt sich beim Drücken hochwertig an.
Der Einschalter befindet sich an der Rückseite des Griffs |
Am Reflektorgehäuse finden sich Löcher zur Kühlung; da der Reflektor selbst auch über einen Dichtungsring verfügt, besteht hier nicht die Gefahr dass Wasser oder Schmutz ins Lampeninnere gelangen.
Microfire Warrior-III von hinten |
Der Reflektor ist verstellbar; allerdings nur in engen Grenzen, der Strahl lässt sich von 15 auf 24 Grad verstellen; unabhängig von der Einstellung ist jede Menge Streulicht (Spillbeam) vorhanden und leuchtet nachts auch den Bereich unmittelbar vor den Füßen sehr hell aus. Öffnet man den Strahl zu weit, entsteht in der Mitte ein kleines Loch. Aufgrund des geringen Verstellbereichs betrachte ich die Verstellung eher als Gimmick und lasse den Strahl eng eingestellt, da sich so der beste "Throw" ergibt

.
Der 35 Watt Brenner und der leicht texturierte, verstellbare Reflektor |
Zum Verstellen wird zunächst eine Konterschraube in Form der unteren Kühlrippen aufgeschraubt, danach lässt sich der Lampenkopf drehen. Sehr unangenehm ist, dass außer dem Griffgewinde kein anderes Gewinde eingefettet ist, und so quietscht die Lampe beim Verstellen unerträglich

. Es empfiehlt sich, hier selbst ein hitzebeständiges Fett auf das Gewinde aufzutragen, um den Kopf leichtgängiger (und leiser!) zu machen, z.B. Schiffswellenfett aus dem Modellbaufachhandel.
Stromversorgung, Laufzeit und TemperaturWegen der höheren Leistung der Warrior-III wurde gegenüber den kleineren Modellen auch der Griff etwas vergrößert, so dass ein leistungsfähigerer Akku Platz findet. Er hat jetzt eine Kapazität von 3000 mAh, die laut Hersteller für 55 Minuten ausreichen sollen. Natürlich habe ich das getestet: Nach 61 Minuten hat die Lampe plötzlich abgeschaltet, und zwar ohne jede Vorwarnung. Falls der Strahl gegen Ende der Laufzeit schwächer geworden ist, dann jedenfalls nicht so viel und nicht so schnell dass ich es bemerkt hätte. Das Aufladen des komplett leeren Akkus dauerte dann 190 Minuten.
Zum Aufladen wird der Griff abgeschraubt und in die Ladestation gestellt. Da die Kontakte nur mit dem Akku verbunden sind wenn die Lampe eingeschaltet ist (der Schalter befindet sich ja am abgenommenen Griff), muss er zum Laden eingeschaltet sein. Eine rote LED an der Ladestation zeigt den Ladevorgang an; ist der Akku voll, wechselt die LED auf grün.
Der Griff mit integriertem Li-Ion Akku im Ladegerät |
Es ist auch ein KFZ-Adapter anstelle des Netzteils für die Ladestation erhältlich. Da der Akku aber einfach hochkant in der Ladestation steht, ist ein Laden in einem fahrenden Fahrzeug nicht möglich. Eine einfache Ladebuchse wäre hier besser gewesen

. Immerhin ist die Ladestation aus Metall gefertigt und hochwertig.
Da der Griff zum Laden "eingeschaltet" sein muss, besteht leicht die Gefahr dass man nicht weiß, ob der Druckschalter jetzt ein- oder ausgeschaltet ist wenn man den Griff an den Lampenkopf schraubt. Dieses Problem hat Microfire pfiffig gelöst: Im Griff befindet sich eine kleine Leuchtdiode, die rot leuchtet wenn der Schalter an ist

.
Eine kleine LED zeigt auch bei abgetrenntem Griff den Einschalt-Status |
Aufgrund der hohen Leistung wird die Lampe recht warm. Lässt man sie eingeschaltet in einem Raum auf dem Tisch liegen (wie ich bei meinem Laufzeittest), so ist sie nach 20 Minuten so heiss, dass man sie nicht mehr anfassen kann! Unter realistischen Bedingungen (draußen) wird die Wärme aber über die Kühlrippen durch die vorbeistreifende Luft abgeführt, und weitere Wärme wird über die Hand abgeführt wenn man die Lampe in der Hand hält. Bei meinem Außenversuch wurde die Lampe auch bei längerem Dauerbetrieb beim nächtlichen Spaziergang zwar recht warm, aber nicht heiß. Das war in dieser Leistungsklasse zu erwarten und ist völlig in Ordnung.
Der Schwerpunkt der Warrior liegt recht weit vorne, so dass man sie zum komfortablen Halten nahe am Kopf nehmen muss. Sie ist zwar schwer (etwa 800g), aber sehr griffig.
Helligkeit und StrahlqualitätJetzt also zum großen Shootout! Die Warrior ist eine recht kompakte Gasentladungslampe (etwa 25 cm lang), wie auf dem folgenden Bild im Vergleich mit einer Mag Charger zu sehen. Daneben noch eine kleine Fenix P3D LED-Lampe zum Vergleich.
Mag Charger, Warrior-III und Fenix P3D im Größenvergleich |
Nach dem Einschalten steht sofort eine große Menge Licht zur Verfügung. Die Helligkeit steigert sich anschließend noch in den folgenden 20 bis 30 Sekunden.
Wie jede Taschenlampe ist auch die Warrior bei Tageslicht wenig beeindruckend. Sobald es aber Nacht wird und sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, kann die Warrior zeigen was sie kann! Häuser in mehreren hundert Metern Entfernung sind hell erleuchtet! Bei meinem Spaziergang durch die Nachbarschaft wurden die Anwohner wie magisch zu den Fenstern hingezogen um zu sehen was da draußen wohl los ist. Dabei bin ich nur mit meiner Taschenlampe vorbeigelaufen! Eine Nachbarin kam gar mitten in der Nacht vor die Haustür um die Lage zu sondieren

. Immerhin ist schon mal sicher: Mit dieser Lampe fällt man auf!
Damit sich jeder ein Bild von der Helligkeit dieser Lampe machen kann, hier ein Vergleich mit anderen bekannten Lampen. Aus gleicher Entfernung und mit gleicher Belichtungszeit und Blende habe ich den Strahl der Lampen auf unser Gartenhäuschen gerichtet und abgelichtet. Der Weißabgleich der Kamera war dabei auf 7000 Kelvin (entsprechend der Farbtemperatur der Warrior) eingestellt. Beim Vergleich der Helligkeiten sollte man nicht vergessen, dass die hier recht schwächlich wirkende Fenix P3D premium 100 (mit Rebel 100 LED) zu den stärksten Single-LED Lampen am Markt gehört! Aber die Belichtungseinstellungen musste ich ja so wählen, dass auch die Warrior noch abgebildet werden kann.
Vergleich von Helligkeit und Ausleuchtung diverser Lampen |
Hier noch die entsprechenden Beamshots auf unserer weißen Garagenwand, um die Strahlqualität beurteilen zu können. Das Licht der Warrior ist gut verteilt, ohne störende Ringe, Löcher oder sonstige Artefakte. Es wirkt (bei 7000K Lichttemperatur) sehr weiß, mit einem leichten Hang zum bläulichen. Ich weiss dass viele eine warme Lichttemperatur bevorzugen (mehr ins rötliche), aber ich empfinde das Licht der Warrior als sehr weiß und praxistauglich.
Neben dem hier gezeigten Spot gibt es auch eine sehr große Menge an Streulicht, mit der die nähere Umgebung hell erleuchtet wird. Der Spot der Fenix geht fast schon im Streulicht der Warrior unter! Der Spot wiederum sorgt für eine Reichweite der Warrior von mehreren hundert Metern.
Beamshots auf weißer Wand |
Bei einem Spaziergang im Wald war eine weite Strecke hell erleuchtet. Der Strahl ist so hell, dass man sieht wie er durch die leicht feuchte Luft verläuft.
Nachts im Wald: Links unten sieht man deutlich, wie sich der helle Strahl durch die feucht-kalte Luft schneidet! |
BrennertauschDer Brenner der K3500R hat eine Lebensdauer von etwa 3000 Stunden. Damit er die auch erreicht, darf man eine HID nicht in schneller Folge ein- und ausschalten. Ist sie mal an, sollte sie auch mindestens zwei Minuten an bleiben. Dasselbe gilt wenn sie aus ist. Ersatzbrenner sind erhältlich, und der Austausch kann leicht selbst vorgenommen werden.
Die K3500R in Einzelteile zerlegt |
Zunächst nimmt man den Akku ab, dann kann man die Konterschraube für die Reflektorfixierung abschrauben (der kleinere Kühlrippenring). Dann entfernt man die Front mit dem Glas; sie lässt sich mitsamt dem Reflektor einfach vom Reflektorgehäuse abschrauben. Man zieht sie vorsichtig nach vorne ab, so dass der Reflektor nicht den Glaskolben des Brenners beschädigt.
Diesen Glaskolben auf gar keinen Fall berühren, da er extrem heiss wird und sonst das Fett der Fingerabdrücke einbrennt! Schliesslich kann die Brennereinheit mit entsprechendem Werkzeug herausgedreht werden. Ist sie entfernt, lässt sich auch das Reflektorgehäuse abschrauben. Darunter findet sich dann das Mittelstück der Lampe mit der versiegelten Elektronikeinheit.
Detail: das Mittelstück mit herausgenommener Elektronikeinheit |
Der Brenner selbst hat auf der Unterseite Kontakte, mit der Warnung diese auf keinen Fall zu berühren, weil Fettabdrücke die Leitfähigkeit mindern und über diese Kontakte eine hohe Leistung zum Brenner übertragen werden muss. Kurioserweise scheinen die Arbeiter in der Produktion von Microfire diese Warnung selbst nicht ernst zu nehmen, und es waren schon jede Menge Fingerabdrücke zu sehen. Diese habe ich erst einmal gründlich mit Alkohol entfernt.
Der HID-Brenner ist leicht auswechselbar |
FazitZusammengefasst bin ich mit der neuen Warrior extrem zufrieden

. Die tolle Verarbeitung, die hohe Helligkeit und die gute Strahlqualität machen die Warrior zu einer Top-Lampe. Ob die durch die kleine Baugröße bedingte Laufzeit von einer Stunde ausreichend ist hängt von der Anwendung ab - das muss jeder für sich selbst entscheiden. Die erwähnten kleinen Mängel sind eher nebensächlich und ändern nichts daran, dass diese Lampe fünf Sterne locker verdient hat!
